Feuerwehrfrauen der Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel zum Internationalen Frauentag

 Am 8. März 2018 ist Internationaler Frauentag, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1909 zurückgeht. Grund genug für uns, die Arbeit der Frauen, insbesondere in den vielen Hilfsorganisationen, Feuerwehren und dem Rettungsdienst hervorzuheben. Auch heute noch gelten die Feuerwehren als Männerdomäne. Die Umgangsformen sind rau, die Tätigkeiten hart und nichts für „Weicheier“. Doch wer hinter die Kulissen sieht, der weiß, dass sich das Bild glücklicherweise schon lange gewandelt hat. Die Frauen und Männer versehen gemeinsam ihren Dienst, so sind Gruppenführerinnen und Atemschutzgeräteträgerinnen keine Fremdwörter mehr. In den Köpfen der Bevölkerung sind jedoch oftmals nur die „Feuerwehrmänner“ präsent und so gibt es Kommentare in den sozialen Netzwerken, beispielsweise „Jungs habt ihr gut gemacht“. Doch auch die Feuerwehrfrauen waren dabei, Grund genug für das Presse-Team der Feuerwehr dieses Thema zum Frauentag aufzugreifen.


Bis in die 90er Jahre hinein, gab es im aktiven Dienst der Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel zum Beispiel nur eine Frau, in den Folgejahren traten dann Weitere in die Feuerwehr ein. Auch aus der Jugendfeuerwehr wurden Feuerwehrfrauen übernommen, die fortan ihren Dienst in der Wolfenbütteler Feuerwehr leisteten. Corinna Frobart, Karin Hentschel und Mareike Wolf gehörten zu den ersten weiblichen Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, die in den aktiven Dienst übernommen worden sind. Sie kamen damals in eine fast reine Männerdomäne und mussten sich durchaus auch im Dienst-Alltag beweisen. „Am Anfang war es schwer, sich gegen die Männerwelt durchzusetzen“ berichtet Mareike Wolf, „viele Frauen gab es 1998 noch nicht bei der Feuerwehr. Da wollte man sich besonders beweisen. Das hat sich mit den Jahren geändert“, ergänzt sie. Karin Hentschel wechselte nach sechs Jahren Jugendfeuerwehr am 12.01.1996 in die Einsatzabteilung, „heute kann ich mich, im Gegensatz zu damals, nicht über das Verhältnis Frauen – Männer beklagen. Ich habe gezeigt, was Frau kann“ bilanziert sie.
Die anderen Feuerwehrfrauen pflichten ihr bei, auch Jahre später galt es immer noch sich zu beweisen. „Wo kein Schnee ist, kann gelaufen werden“ sei ein typischer Spruch gewesen, wenn es den Herren der Schöpfung mal nicht schnell genug gegangen sei. Heute versehen rund 75 Frauen ihren Dienst bei den 11 Ortsfeuerwehren der Stadt, hiervon 21 bei der Wolfenbütteler Feuerwehr. „Als Frau in einer Männerdomäne hat man einmal mehr das Gefühl, sich beweisen zu müssen“ merkt Pamela Fork an, „das macht das Hobby zu etwas Besonderem“.

Die Frauen haben – wie jeder andere auch bei der Feuerwehr – die Grundausbildung absolviert, auch die klassischen Lehrgänge wie beispielsweise den Sprechfunker. Darüber hinaus verfügen einige über die Lehrgänge Maschinist, Atemschutzgeräteträger, Truppführer. Corinna Frobart ist stellvertretende Gruppenführerin und hat hierzu zahlreiche Führungslehrgänge absolvieren müssen, Maren Sarge und Jessica Strömel sind qualifiziert in der Absturzsicherung, Nicole Stein hat die Gefahrgutausbildung bewerkstelligt und ist Chemikalienschutzanzug-Trägerin, Pamela Fork bildet Sprechfunker aus, Mareike Wolf engagiert sich im Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit. In die Höhe geht es, wenn Karin Hentschel mit der Drehleiter vorfährt und Corinna Frobart in den Korb klettert. Die beiden gehörten auch zu den ersten Feuerwehrfrauen aus Wolfenbüttel, die den LKW-Führerschein hatten.
Und auch die Kinderfeuerwehr wird von zwei der acht anwesenden Feuerwehrfrauen betreut: Mareike Wolf und Pamela Fork sind mit dabei.

Insbesondere die Atemschutz-Ausbildung ist kräftezehrend. Corinna, Nicole, Pamela und Jessica könnten ein Lied davon singen, von der schweren Ausrüstung, der Endlosleiter während der Ausbildung, der Übungsstrecke. Doch, auch das betonen sie, der Einsatz sei härter. Die Frauen lassen zahlreiche Einsätze Revue passieren, erinnern sich an kritische Lagen, Menschen waren in Gefahr, zum Beispiel während eines Feuers im 7. Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Corinna Frobart erinnert sich an den Aufstieg über die Treppen, an jeder Etage hätten die Zahlen gestanden. „Nach Erreichen der verrauchten Wohnung, haben wir eine Tür mit Brechwerkzeug öffnen müssen, es war kein Feuer mehr zu sehen, nur noch Rauch. Eine Person war unten am Fußboden am Sofa, wir versuchten sie herauszuholen, was nicht so einfach möglich war“ bilanziert Corinna Frobart. Letztlich wurde der schwer verletzte Bewohner aus der Wohnung gebracht und an den Rettungsdienst übergeben. Seinen Blick werde sie niemals vergessen: „er schaute mir tief in die Augen“ berichtete Frobart. Leider überlebte der Mann nicht. Hinzu kam auch noch die Meldung, ein Kind befände sich noch in der Brandwohnung. Absoluter Stress für die Feuerwehrleute. Gespräche im Kreis der Kameraden und mit Seelsorgern helfen, auch solche Ereignisse aufzuarbeiten.
Auch unvergessen bleibt ein Großbrand im Jahr 2010 an der Goslarschen Straße. Mitten am Tage brannte ein Wohnhaus fast komplett aus, Anwohner waren in ihren Wohnungen eingeschlossen. Nicole Stein war damals mittendrin als einer der Atemschutztrupps, ging in das völlig verrauchte Wohnhaus, Menschen klammerten sich an den Fenstern fest und wurden durch die Feuerwehr gerettet. „Was ich prägend bei diesem Einsatz fand, war, dass es keinerlei Unterschiede gab, ob nun eine Frau oder ein Mann mit Atemschutz in das Haus ging“, berichtet Stein, „jeder vertraute jedem blind“. Dies sei auch wichtig gewesen, denn die Lage stellte sich als kritisch dar. Durch die hölzerne Konstruktion des Hauses breiteten sich die Flammen rasend schnell aus. Ganz frische Erinnerungen an ihren Atemschutz-Lehrgang hat Jessica Strömel. Die 25jährige legte im Juli 2017 die Prüfung ab und trainiert seitdem den Ernstfall, so zum Beispiel während Gruppendiensten oder im Brandübungscontainer, denn: „der erste scharfe Atemschutzeinsatz wird kommen“ weiß sie und betont „wir gehen zusammen rein und auch zusammen wieder heraus“. Pamela Fork bleibt ein Kellerbrand am Asseweg in Erinnerung, als Atemschutztrupp sei sie dort körperlich gefordert gewesen und es sei ein gutes Gefühl gewesen, so helfen zu können.
Auch beim „Buspulling“ waren sie aktiv – die Feuerwehrfrauen aus Wolfenbüttel, „die Teams wechselten in den Jahren, doch wir haben uns immer durchgebissen“ betonen sie.
Füreinander da sein, die Gemeinschaft, das Gefühl, etwas für die Allgemeinheit zu machen – die acht Feuerwehrfrauen, die wir heute in dem Bericht, stellvertretend für alle anderen erwähnen, haben ihre Gründe gerne dabei zu sein. Das Miteinander endet auch nicht, wenn gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten. So auch nicht bei Maren Sarge: „Ich bin aufgrund meiner Lungenerkrankung leider nur noch eingeschränkt einsatz- und diensttauglich“ berichtet sie, „Inklusion ist hier kein Fremdwort, ich gehöre weiterhin dazu, versehe meinen Dienst in einer Gruppe“.
So ganz „nebenbei“ haben einige der acht Frauen, die sich für das Gruppenfoto im Innenhof der Feuerwache versammelt haben, auch Nachwuchs. So gilt es, das Muttersein, mit Berufsleben und auch der freiwilligen Feuerwehr unter einen Hut zu bekommen, nicht immer einfach. Wenn das Kind schläft, andere es sich auf dem Sofa bequem machen, ruft die Feuerwehr. Entweder weil der Meldeempfänger piept oder Gruppendienst angesetzt ist.

Text: Presse-Team Feuerwehr Wolfenbüttel (St) / Fotos: bmb

 

 

 

Donnerstag, 20. September 2018