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Einsatzart: Brandeinsatz
Kurzbericht: BMA ausgelöst / MANV durch Reizgas
Einsatzort: Bahnhofstraße (Cine Star)
Alarmierung :

am 09.03.2013 um 03:11 Uhr

Fahrzeuge am Einsatzort:
21-29-1 (TLF 16/25)
21-30-1 (DLK 23/12)
21-59-1 (GW-ÖL)
21-11-99 (ELW-ÖEL)
21-10-1 (KdoW-BvD)

Einsatzbericht:

Im Eingangsbereich einer Discothek an der Bahnhofstraße kam in es in der Nacht von Samstag auf Sonntag während eines Feuerwehreinsatzes zu einem Versprühen von Reizgas, dabei wurde ein Feuerwehrmann, der als Angriffstrupp eingesetzt war, leicht verletzt. Eine zunächst unbekannte Anzahl von Besuchern klagte über Atemnot, Reizung der Schleimhäute, Übelkeit, Erbrechen und Hustenanfälle. Die neun Feuerwehrleute und die RTW-Besatzung, die ursprünglich zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage (BMA) im „Funclub“ im Einsatz waren, standen plötzlich inmitten eines Massenanfalls von verletzten und erkrankten Personen (MANV).

„Ausgelöste BMA?. Na ja das geht schnell, in einer Dreiviertelstunde liege ich wieder zuhause im Bett“. So oder ähnlich waren vermutlich die Gedanken der freiwilligen Feuerwehrleute, als um 03:18 Uhr ihre digitalen Meldeempfänger auslösten und sie die Meldung lasen. Das Objekt „Cine Star“ beinhaltet neben dem besagten Kino auch noch eine Bowlingbahn, Gastronomie und die Discothek „Funclub“, alle Einrichtungen sind über eine Brandmeldeanlage versorgt. Zunächst sah auch alles nach einem Routineeinsatz aus- die alarmierten Kräfte der diensthabenden Bereitschaftskreise besetzten das Tanklöschfahrzeug (TLF) des ersten Löschzugs sowie die Drehleiter (DLK) und fuhren zu dem rund 2 Kilometer von der Feuerwache an der Friedrich-Ebert-Straße entfernten Gebäudekomplex. Der Einsatzleiter, der Brandmeister vom Dienst (BvD), befand sich bereits mit seinem Kommandowagen (KdoW) auf der Anfahrt und traf kurz vor dem TLF und der DLK ein. Die drei Einsatzfahrzeuge sowie der ebenfalls mitalarmierte Rettungswagen (RTW) des Deutschen-Roten-Kreuzes, postierten sich am Kreuzungsbereich Halchtersche Straße / Bahnhofstraße. Nach Erkundung an der Brandmeldezentrale konnte festgestellt werden, dass – wie vorausgesagt – ein Melder in der Discothek ausgelöst hatte, die sich am anderen Ende des Komplexes in nördlicher Richtung befindet. Aus Erfahrungen bei anderen Auslösungen in diesem Bereich, entschied sich der Einsatzleiter zusammen mit dem Gruppenführer, mit dem TLF um das Gebäude herumzufahren. Die DLK folgte. 

Beim Eintreffen auf dem Parkplatz standen bereits zahlreiche Besucher des „Funclub“ am Eingangsbereich. Der Einsatzleiter ging mit dem Angriffstrupp, dem Gruppenführer und einem weiteren Besatzungsmitglied des TLF in den Innenbereich der Discothek, um zu dem ausgelösten Melder im Deckenbereich zu gelangen. Da dort nach Erkundung kein Feuer oder eine Verrauchung festgestellt werden konnte, wurde entschieden, dass der Angriffstrupp wieder zum TLF zurückkehren konnte, um seine Atemschutzgeräte abzulegen. Auf dem Rückweg in den Außenbereich bemerkte der Einsatzleiter zahlreiche Besucher der Discothek, die sich krümmten, husteten, die Nase zu hielten. Ein Mitglied des Angriffstrupps war ebenfalls betroffen und lag auf dem Boden, die restliche Besatzung des TLF und der DLK betreuten ihn, nahmen ihm das Atemschutzgerät ab.

Was war passiert? Beim Erreichen des Ein- bzw. Ausgangsbereichs der Discothek kam es, verursacht durch einen Besucher, zu einer Attacke durch Reizgas. Während der vorausgehende Feuerwehrmann, noch ausgerüstet mit Atemschutz - jedoch den Lungenautomaten nicht angeschraubt - vom Reizgas getroffen wurde, konnte sich das andere Truppmitglied noch schnell schützen.

Der Einsatzleiter entschied sofort, über die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) weitere RTW nachzufordern. Immer mehr Besucher kamen mit starken Reizungen der Atemwege und der Schleimhäute in das Freie und sammelten sich am Eingangsbereich und neben dem TLF. Das Mitglied des Angriffstrupps wurde zum RTW gebracht und dort erstversorgt, zwischenzeitlich wurde ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) nachalarmiert. Immer mehr Besucher der Discothek kamen selbständig zum RTW oder wurden von den Feuerwehrleuten dorthin gebracht. Der zweite Wolfenbütteler RTW 42-83-02 und das NEF aus Braunschweig – Standort Salzdahlumer Straße – befanden sich auf der Anfahrt.

Von Vorteil war bei den anfänglichen Arbeiten, dass sich unter den neun Einsatzkräften der Feuerwehr auch zwei Rettungsassistenten und zwei Rettungssanitäter befanden, die den Rettungsdienst bei den Arbeiten unterstützen konnten. Für das verletzte Mitglied des TLF-Angriffstrupp rüstete sich ein Besatzungsmitglied der DLK aus, somit war der Trupp des TLF wieder komplett- zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, ob es eventuell noch zu Rettungsmaßnahmen unter Atemschutz im Innenbereich der Discothek kommen könnte. Der Angriffstrupp ging kurze Zeit später zum Erkunden in das Gebäude. Mit den Wasserflaschen, die auf den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr Wolfenbüttel verstaut sind, spülten die Einsatzkräfte die Augen zahlreicher Besucher, genutzt wurden zusätzlich die durch den Rettungsdienst mitgeführte Infusionslösungen.

Um 03:51 Uhr erfolgte die Nachalarmierung der Örtlichen Einsatzleitung Feuerwehr (ÖEL) der Stadt Wolfenbüttel und eine Stichwortänderung auf „MANV 15“- galt es doch mindestens 15 Personen rettungsdienstlich zu versorgen und möglicherweise in Kliniken zu transportieren. Alarmiert wurden auch weitere RTW und NEF aus Braunschweig und Salzgitter sowie die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des DRK Wolfenbüttel. Wenn eine Alarmierung mit dem Stichwort MANV 15 erfolgt, werden unter anderem auch Kräfte aus Braunschweig nach Vertrag alarmiert. In diesem Fall hieß dies, dass neben weiteren RTW unter anderem auch der Organisatorische Leiter (OrgL), der Leitende Notarzt (LNA) sowie der B-Dienst (Direktionsdienst) der Berufsfeuerwehr Braunschweig zum Einsatzort geschickt werden. Die Verletztensammelstelle befand sich anfänglich am ersten RTW, später im Foyer eines Hotels, das sich im Gebäudekomplex befindet.

An der westlichen Gebäudeseite sammelten sich die nachalarmierten NEF und RTW sowie die SEG. Von dort aus war ein schnelles Abrücken der Fahrzeuge in die Zielkrankenhäuser möglich. An dem Parkplatz am östlichen Teil des Komplexes wurde die ÖEL Stadt Wolfenbüttel in Betrieb genommen. Vom Einsatzleitwagen (ELW) mit der Funkkennung 21-11-99 aus wurde eine Erreichbarkeit für die IRLS und die anrückenden Kräfte sichergestellt, der Funkverkehr dokumentiert. Vor Ort trafen auch weitere Beamte der Polizei sowie Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr ein, so unter anderem Ortsbrandmeister Hans-Jürgen Fuhrmann, Stadtbrandmeister Rüdiger Hartmann, Brandabschnittsleiter Jörg Koglin und Kreisbrandmeister Karl-Heinrich Schwieger. Auch Bürgermeister Thomas Pink machte sich ein Bild von der Situation.

Weiteres Feuerwehrpersonal aus der Feuerwache rückte nach und unterstützte die Kräfte vor Ort. Auch zum jetzigen Zeitpunkt kamen noch Besucher des Discothek, die über Beschwerden klagten, auf die Einsatzkräfte zu und wurden zum Sammelplatz begleitet und dort durch die inzwischen anwesenden vier Notärzte gesichtet und behandelt. Die Betroffenen wurden von Notfallseelsorgern betreut.

Rund zwei Stunden nach dem Auslösen der BMA konnten die erstalarmierten Feuerwehrleute mit der TLF und der DLK wieder in die Feuerwache einrücken. Das verletzte Mitglied des Angriffstrupps wurde an der Einsatzstelle ambulant behandelt und kehrte später auch in die Wache zurück. Insgesamt wurde eine betroffene Besucherin in ein Klinikum transportiert, 14 weitere Besucher behandelte der Rettungsdienst ambulant. Die Rettungsdienst-Einheiten sowie die SEG verließen in den frühen Morgenstunden den Gebäudekomplex an der Bahnhofstraße. Von der Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel waren 23 Feuerwehrleute im Einsatz.

 Text: Feuerwehr Wolfenbüttel Internet-Team (st) / Fotos: jü 

Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)
Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)Brandeinsatz vom 09.03.2013  |  (C) Feuerwehr Wolfenbüttel (2013)
Dienstag, 23. Oktober 2018