Mittwoch, 11. Dezember 2019
Notruf: 112

Flammen am Hochhaus – die Jägermeisterstraße war Schauplatz einer Feuerwehr-Übung

Donnerstagabend (13. Juni 2019), kurz nach 18 Uhr. Aus einem siebengeschossigen Mehrfamilienhaus an der Jägermeisterstraße quoll dichter schwarzer Rauch hervor, Flammen waren zu sehen, Hilferufe schallten über die Straße, Menschen standen angsterfüllt auf den Balkonen und warteten auf die Feuerwehr. Immer mehr Rauchmelder im Inneren des Hauses schlugen an. Die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel löste Alarm für die Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel und den DRK-Rettungsdienst aus. Ein Hausmeister wies den Helfern den Weg, gingen doch zunächst alle davon aus, dass Haus stünde komplett leer. Er informierte, dass sich oberhalb der fünften Etage Menschen aufhielten.

Was so dramatisch anmutet, war glücklicherweise nur eine sehr realistische Übung, die an und in dem Abbruchhaus stattfand. Das Organisations-Team hatte sich einiges einfallen lassen, um die rund 50 Helfer für einige Zeit zu beschäftigen. So galt es unter anderem, zehn Menschen aus dem Haus zu retten. Die Fluchtwege über die Treppe waren aufgrund von starkem Rauch nicht mehr zu erreichen, so waren die Menschen in den Wohnungen gefangen.

„Es war eine im Vorfeld wirklich geheime Übung“, berichtet Zugführer Tobias Hecht, „wir haben alles so verschwiegen geplant, um die Anzahl der Mitwissenden so klein wie möglich zu halten“. Das gelang auch offenbar – gingen viele Feuerwehrleute doch bis zum Ende der Übung davon aus, es handele sich um einen Ernstfall.

Schon von weitem sichtbar war der dunkle Rauch, der an dem Haus hochzog. Mit dem Eintreffen des Tanklöschfahrzeugs (TLF) begann ein von der Übungsleitung geplantes Szenario. Zunächst versperrte ein weißer Kombi die direkte Zufahrt zum Hochhaus, eine rothaarige Frau sprang aus dem Auto und lief mit klappernden Bierflaschen heraus. Beobachtet von einem Mann aus dem Brandhaus. Offenbar war die Bier-Not stärker als der Wunsch, sicher dem Rauch zu entkommen – schrie der Mann die Frau doch an, sie solle sich mit dem Bier beeilen, er habe Durst. Mit viel Geschick manövrierte der Maschinist des TLF zwischen einer Laterne und dem Kombi hin und her, so war das Erreichen des Hauses doch schnell möglich. Zuvor hatte sich bereits ein Atemschutztrupp auf den Weg gemacht, um die Menschen zu retten.

Einsatzleiter Kurt Jakobi traf kurze Zeit zuvor ein und machte sich ein Bild der Lage. Er lies von der IRLS diverse Nachalarmierungen ausführen, so wurde zunächst das Alarmstichwort auf „Feuer – Menschenleben in Gefahr“ geändert, ehe es auf „F3 – Feuer Hochhaus“ verändert wurde. Das hatte zur Folge, dass Vollalarm für alle Mitglieder der Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel ausgelöst wurde. Weiter kam die Ortswehr aus Linden mit zum Einsatz. Im Ernstfall wären noch weitaus mehr Feuerwehrleute und auch Rettungsdienst-Einheiten gefordert gewesen. Auch die Schnelle-Einsatz-Gruppe des DRK wäre hinzugezogen worden.

Das Anrücken der Einsatzfahrzeuge war jedoch nicht nur durch die große Baustelle in der Nähe erschwert. Der Fahrer eines silberfarbenen Kombis hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sich kurz vor den schweren Feuerwehrwagen quer auf die Straße zu stellen. Ein Erreichen des Brandhauses war so unmöglich. Die Feuerwehrleute, voll mit Adrenalin, bereit zu helfen, waren so gestoppt. Die Situation drohte mehrmals zu eskalieren, folgten doch Diskussionen mit dem uneinsichtigen Fahrer, der eigentlich nur nach Semmenstedt wollte und ein Wenden nicht hinbekam. Doch auch das war nur Bestandteil der Übung. So erreichten schließlich alle Einsatzwagen das Hochhaus.

Dort hatten die Helfer mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, hierfür sorgten die rund 15 Mimen, dargestellt von der Realistischen Unfall- und Notfalldarstellung (RUND) sowie von Feuerwehrleuten. So galt es, die Bewohner aus den oberen Etagen in Sicherheit zu bringen. Mit Hilfe einer sogenannten Fluchthaube, die den zu rettenden Menschen aufgesetzt wurde, entkamen sie dem dichten Qualm in den Wohnungen und den Treppen. Im Freien warteten schon die beiden Mitarbeiterinnen des DRK-Rettungsdienst Wolfenbüttel auf die vermeintlich Verletzten. Inmitten der Übung wurde dann ein Atemschutz-Notfall simuliert. Ein Feuerwehrmann wurde bewußtlos, noch komplett mit seiner Schutzausrüstung bekleidet. So mussten die Atemschutztrupps zunächst die Rettung der Einsatzkraft übernehmen und ihn aus dem verrauchten Bereich retten. Sie brachten ihn in eine Wohnung in der sechsten Etage, dort wurde sein Zustand begutachtet, war doch hier kein Rauch mehr. Kurze Zeit später trugen ihn fünf Feuerwehrleute nach unten.

Um 18.38 Uhr erfolgte die Rückmeldung an die Einsatzleitung „sieben Personen gerettet“. Immer weitere Feuerwehrleute rüsteten sich mit Atemschutzgeräten aus, gingen in das Hochhaus hinein, nicht wissend, was sie in den oberen Etagen erwarten würde. Dort saßen einige Bewohner fest, standen an den Fenstern und auf den Balkonen. Die Besatzung der Drehleiter (DLK) rettete die Menschen, transportiere sie sicher nach unten.

Beobachter der Übung waren der Brandabschnittsleiter West, Florian Graf und der Stadtbrandmeister Olaf Glaeske. Die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) der Stadt Wolfenbüttel richtete sich an der Jägermeisterstraße in ihrem Einsatzleitwagen (ELW) ein, hier liefen alle Informationen zusammen, die die Atemschutztrupps aus dem Inneren des Hochhauses mitteilten. Insgesamt kamen 20 Feuerwehrleute mit Atemschutz zum Einsatz, deren Einsatz wurde zentral überwacht. Eine Atemschutz-Sammelstelle wurde am davor vorgesehenen Gerätewagen eingerichtet. Auch Mitglieder des Stadtfeuerwehr-Presse-Teams waren vor Ort. "Sogar ein echtes Fernsehteam bewegte sich durch das Szenario und wurde in die Alarmübung eingebunden: Es handelte sich hier um ein Team der Hamburger Firma Eikon Nord, die für den Privatsender RTL die Doku-Serie 'Justice - Die Justizreportage' produziert und aktuell eine Sendung zum Thema 'Gewalt gegen Einsatzkräfte' vorbereitet“ informiert Glaeske.

Dramatisch wurde es nochmals um 18.48 Uhr. Die IRLS erhielt einen Notruf von eingeschlossenen Menschen aus dem siebten Stock des Hauses. Kurze Zeit später konnten auch diese beiden Bewohner gerettet werden. Um 19.06, rund eine Stunde nach dem ersten Alarm, gab die ÖEL die Meldung „Feuer aus“. Auf zwei Balkonen platzierte Tonnen mit echtem Feuer sowie Nebelmaschinen im Inneren des Hauses sorgten für den notwendigen Rauch und Realismus. Und auch „Störer“ gehören leider inzwischen oft zum Alltag der Retter. Für die Teilnehmer war dies als durchaus gelungene Übung zu bezeichnen und auch die Darsteller waren mit viel Spaß dabei. „Die Übung war eine nicht alltägliche Erfahrung, die uns für den Fall einer realen, gleichen Einsatzsituation gut vorbereitet hat“, lautet das Fazit von Kurt Jakobi.

"Wenn eine solche unangekündigte Alarmübung ihr Ziel erreichen soll, dann ist es wichtig, die Einsatzkräfte unter den gleichen Stress zu setzen, den sie auch bei den realen Einsätzen erleben.
Genau das ist den Organisatoren Kurt Jakobi, Tobias Hecht, Christian Essner und Tobias Stein von der Ortsfeuerwehr Wolfenbüttel hier in beispielhafter Weise gelungen“, bilanziert Wolfenbüttels Stadtbrandmeister Olaf Glaeske, "Wir als Feuerwehr sind natürlich sehr dankbar, wenn wir die Möglichkeit bekommen, in leerstehenden Gebäuden zu üben. Dieses Objekt war natürlich aufgrund seiner Höhe und der Art und Weise, wie die Übung dort durchgeführt werden konnte, etwas ganz besonders. Wir möchten der Firma Jägermeister daher auch ausdrücklich den Dank dafür aussprechen, dass man uns unbürokratisch und unkompliziert diese Gelegenheit gegeben hat“ so Glaeske und Jakobi weiter.

Stadtfeuerwehr-Presse-Team, Text/Foto: Tobias Stein